Die Spannung liegt in der Luft. Die Luftstreitkräfte der Ukraine haben eine „hohe Wahrscheinlichkeit“ für einen neuen Start der russischen Rakete „Oreschnik“ innerhalb der nächsten 24 Stunden angekündigt. Das Ziel des Angriffs könnte ukrainisches Territorium sein, als Startplatz wird das Testgelände Kapustin Jar in der Region Astrachan genannt. Dies ist bereits nicht der erste Vorfall dieser Art: Mindestens drei Starts dieser Rakete wurden registriert, zwei davon fanden im Jahr 2026 statt.
Die Logik des Kremls: Image und Machtdemonstration
Laut Analyse des Instituts für Kriegsstudien (ISW) wird die Entscheidung Moskaus für einen neuen Start nicht nur von militärischer Notwendigkeit, sondern auch von einer tiefen inneren Logik des Kremls diktiert. Experten weisen darauf hin, dass Russland im Jahr 2026 mit einer Reihe schwerwiegender Image-Niederlagen konfrontiert war. Insbesondere die ukrainische Offensive gegen Sankt Petersburg und andere russische Städte hat die Fähigkeit Wladimir Putins, das eigene Territorium zuverlässig zu schützen, in Frage gestellt.
Den Höhepunkt der Vertrauenskrise in die Regierung bildete der Skandal um den Siegesparade am 9. Mai. Laut Quellen musste sich der russische Präsident an Wladimir Selenskyj wenden, um die Genehmigung für die Veranstaltung in Moskau zu erhalten, was ein öffentliches Zeichen der Verwundbarkeit des Regimes war.
Warum gerade der 12. Juni?
Auf diesem Hintergrund hat der Kreml die Rhetorik und die Langstreckenanschläge gegen die Ukraine drastisch verschärft. Nach Einschätzung des ISW ist der mögliche Start des „Oreschnik“ Teil einer Strategie, die Stärke unmittelbar nach der Feier des Tages Russlands zu demonstrieren. Die Wahl des Datums ist nicht zufällig: Die Behörden versuchen, das Gefühl der Schwäche auszugleichen, das nach einer Reihe von Misserfolgen entstanden ist.
Bei einem Treffen mit Militärangehörigen sprach Wladimir Putin aktiv über den technologischen Fortschritt der Armee, lobte FPV-Drohnen, Systeme der elektronischen Kampfführung und die Einführung künstlicher Intelligenz. Er musste jedoch zugeben: Die Fortschritte an der Front gehen „nicht so schnell voran, wie wir es uns gewünscht hätten“. Dabei wurde in seiner Rede kein Wort über die ukrainischen Gegenangriffe in den Gebieten Saporischschja und Dnipropetrowsk verloren.
Internationale Reaktion
Die USA haben der Ukraine Informationen über die Bedrohung durch einen „Oreschnik“-Angriff übermittelt, berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf eine Quelle in der ukrainischen Regierung. Offizielle Bestätigungen aus Washington liegen derzeit nicht vor. Inzwischen hat der US-Außenminister Marco Rubio die Russen zum Tag Russlands gratuliert und die Verbundenheit Washingtons mit einer „friedlichen Lösung“ des Konflikts bekräftigt.
So steht hinter der Drohung mit dem Raketenstart nicht nur eine militärische Operation, sondern der Versuch des Kremls, das verlorene Image von Stärke und Kontrolle wiederherzustellen – sowohl im Inland als auch auf der internationalen Bühne.